| Klaviersounds im Vergleichstest Galaxy Steinway + GarageBand + Halion3 + The Grand(SE) / Wizoo Grand |
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Ein Software Instrument mit realistischem Klaviersound auszustatten ist in der Theorie durchaus möglich. In der Praxis konnten die Hersteller diesem Anspruch jedoch nur zum Teil gerecht werden. Als größtes Manko ist die fehlende Variation des Fußpedals zu nennen – auf einem Flügel ist der Unterschied zwischen ganz gedrücktem Haltepedal und nur leicht oder halb gedrücktem Pedal selbst vom Laien wahrzunehmen. Abgesehen von TheGrand das immerhin einen Teil des durch verschiedene Halteped-Druckstufen entstehendem Klangspektrums wiedergiebt, werden nur die Zustände ganz oder gar nicht gedrückt! Auf das linke Pedal (una corda – das soft pedal) muss in Software Instrumenten wiederum mit Ausnahme von TheGrand sogar ganz verzichtet werden und der Effekt mit Bordmitteln (z. B. durch minimale Verdunklung des Klangs) mehr oder weniger zufrieden stellend nachgebastelt werden. Selbst die Anschlagsdynamik kann nicht überzeugen: der MIDI Standard bietet 127 (theoretische) Anschlagsstufen, die je nach eingesetztem Midi Keyboard aber nur zu einem Teil tatsächlich gespielt werden können. So gibt mein Stage Piano Werte zwischen 6 und 122 her, die übrigen Facetten müssen über manuelle Bearbeitung herausgeholt werden. Ein echter Flügel bietet jedoch weit mehr als 1000 verschiedene Anschlagsstufen die durchaus spielbar und deren Klangfacetten ebenfalls hörbar sind. In Software Instrumenten muss man sich derzeit aber mit „lediglich“ bis zu 10 Velocity Layern (Galaxy Steinway, The Grand, Wizoo Grand) zufrieden geben. Zu schlechter letzt gibt selbst die hochwertigste ePiano Tastatur mit Druckpunkt das Gefühl eines Flügels nur ansatzweise wieder. Wer nun denkt, dass Klaviersound somit stets auf einem echten Piano eingespielt werden sollte, liegt jedoch nicht generell richtig. So gilt es das Problem der Aufnahme zu lösen: selbst wer ein echtes Klavier besitzt, muss für hochwertige Mikrophone weit mehr Geld ausgeben als für ein Software Instrument und benötigt umfangreiches Wissen über Tontechnik, um die Klänge überhaupt naturgemäß aufzeichnen zu können. Auch die Frage des Raumklangs ist nicht zu unterschätzen – die eigenen vier Wände können durchaus einen Raumklang entwickeln, der in eine völlig unerwünschte Richtung geht. Außerdem sind analoge Aufzeichnungen verglichen mit der großen Flexibilität von MIDI Daten im Digitalen Zeitalter ein nicht zu vernachlässigender Nachteil. Die Aufzeichnung eines echten Klaviers ist somit erst dann interessant, wenn das Klavier stark im Vordergrund steht oder lediglich zwei Stimmen (wie Klavier und Gesang) zum Einsatz kommen. In den übrigen Fällen stellt ein hochwertiges Software Instrument aufgrund seiner hohen Flexibilität und der großen Kostenersparnis sowie der hohen Klangqualität eine mehr als nur vernünftige Alternative zum analog eingespielten Klaviersound dar. Entscheidungshilfen Die Einsteigerklasse ist eigentlich nur dann interessant, wenn das eigene Midi-Keyboard keinen oder einen extrem schlechten Pianosound besitzt sowie lediglich selten eine mehrstimmige Komposition mit einem Klavierklang angereicht werden soll. Die Mittelklasse bietet abgesehen vom fehlendem Soft-Pedal eine Klangqualität wie man sie ebenfalls in ePianos und hochwertigen Keyboards als Werksound findet. Anhand der Midi-Datei und meinen Klangbeispielen lässt sich einfach überprüfen, ob das eigene Instrument einen schlechteren oder besseren Pianosound besitzt. Die Luxusklasse bietet einen deutlich hochwertigeren Klang als alle mir bekannten Werksounds von ePianos und Keyboards. Allerdings ist der Unterschied zur Mittelklasse (abgesehen vom flexiblen Volumen des TheGrand Damper Pedals und der ansprechenden Umsetzung des linken Pedals) nur auf einer hochwertigen HiFi Anlage oder guten Studio-Lautsprechern bzw. erstklassigen Kopfhörern auf Anhieb hörbar. Wem Stereoklang genügt, dem bietet TheGrand eine sehr realisistische Flügelsimulation, der zur Perfektion aber ein ausgeprägtes Volumen bei vollem Damper Wert sowie die Overlap Funktion von HALion3 und nicht zuletzt eine geschätzte Doppelung der Velocity Levels fehlt. Für das Galaxy Steinway spricht vor allem die Unterstützung von Surround Sound. Äußerst negativ fällt die fehlende Unterstützung des Soft-Pedals ins Gewicht, dennoch besitzt das Galaxy Steinway einen sehr schönen Klang der nicht zuletzt dank der guten Akustik des Galaxy Studios mit 320qm Fläche und 8m Raumhöhe vollauf zu überzeugen weiß. Klangbeispiele (Apple Lossless Codiert) Midi-Datei zum Vergleich mit eigenen Klaviersounds Haltepedal Volumen / Soft Pedal Unterstützung von TheGrand Soft Pedal (erster Part mit, zweiter ohne Soft Pedal) True Sustain (nach ca. 2 Sekunden wird Haltepedal Volumen sprunghaft von 0% auf 100% Ammount erhöht) Soundvergleiche Galaxy Steinway TheGrand (TrueSustain Res 50%, True String Release TheGrand (ohne SoftPedal und TrueSustain) Wizoo Grand XXL HALion3’s Grand Piano 2 GarageBand’s Grand Piano TheGrand SE TheGrand SE (ohne SoftPedal) Die Einsteigerklasse: Garage Band’s Grand Piano + TheGrand SE
Preis / Bezug GrandSE im Virtual Instruments Bundle enthalten, 149 Euro: Steinberg Garage Band im iLife Paket enthalten: 49 Euro / Apple.de Die Mittelklasse: HALion3 (Grand Piano 2 XXL) + Wizoo Grand (size L) Wer sich den erstklassigen aber nicht ganz billigen Software Sampler HALion3 (siehe unseren Sampler Vergleichstest) gönnt, der erhält einen 249 MB großen Piano Sound, der selbst auf einer guten Stereo Anlage nur wenig Schwächen im Vergleich zum High End Sound eines Galaxy Steinway’s oder dem TheGrand offenbart. Dank der Overlap Funktion von HALion ist sogar ein theoretischer Vorteil bei Haltepedal Parts auszumachen. Auch wenn ich den Sound vom Wizoo Grand in der Variation „L“ nicht vorliegen habe, ist anhand der technischen Daten von einer vergleichbaren Soundqualität auszugehen. Wer bereits einen Software Sampler besitzt und das Klavier nicht als Soloinstrument sondern zusammen mit anderen Sounds einsetzen möchte, der wird wahrscheinlich mit dem 79 Euro günstigen und ressourcenschonend 242 MB „kleinen“ Wizoo Grand (L) die richtige Wahl treffen. Sehr großer Nachteil der beiden Kandidaten ist jedoch die fehlende Unterstützung des Soft Pedals. Auf diesen Punkt muss bei aktuellen ePianos und hochwertigen Keyboards, die teilweise einen erstklassigen Klaviersound als Werksound besitzen, indes nicht verzichtet werden. Auch in Punkto Klangqualität kann so manche Hardware mit dem Grand Piano 2 und Wizoo Grand mithalten. Die Einbindung eines ePianos oder Keyboards ist über MIDI Out (Sequenzer) und Midi In (ePiano/Keyboard) sowie Audio Out (ePiano/Keyboard) und Audio In (Sequenzer) ohne Verlust der MIDI Flexibilität realisierbar und spart Ressourcen, da Software Instrumente deutlich mehr Leistung benötigen als Midi Out und Audio In. Beim einspielen ist es natürlich auch möglich die Midi Daten zusammen mit dem Audio Sound parallel aufzuzeichnen (Midi und Audio Out ePiano/Keyboard, Midi und Audio In im Sequenzer). Preis / Bezug GP2 nur in Verbindung mit HALion3: 399 Euro, Steinberg Wizoo Grand (size L): 79 Euro, Wizoo Die Luxusklasse: Galaxy Steinway 5.1 + TheGrand + Wizoo Grand (size XXL)
Der Vergleich zwischen TheGrand und dem Galaxy Steinway entpuppt sich als der zwischen Äpfeln mit Birnen: die Stärken des einen sind ziemlich genau die Schwächen des anderen! So unterstützt lediglich TheGrand alle Pedale und verschiedene Druckstufen des Dampers, das Galaxy Steinway ignoriert das Soft Pedal und bietet lediglich die Damperwerte gedrückt oder nicht. TheGrand ist ein Stereo Instrument, das Galaxy Steinway wartet dagegen mit 6 GB Surround Sound auf, dessen Komponenten in Module für Subwoofer, Center, Surround (rear) und Stereo (front) aufgeteilt wurden. Interessant ist hierbei, dass sich einzelne Elemente auch für einen Stereoklang verwenden und kombinieren lassen. So kann das Galaxy Steinway problemlos Stereo gespielt und der Sound zusätzlich mit dem Subwoofer und dem Center Kanal angereichert werden. Das Galaxy Steinway besitzt zwar einen hervorragenden und unaufdringlichen Raumklang aber keinen unechoic Modus wie TheGrand. Zum Glück lässt sich der SG Sound durchaus mit einem externen Hall PlugIn ohne größeren Aufwand sinnvoll behandeln. In TheGrand hingegen weiß der hinzumischbare Hall nur für den Hausgebrauch zu überzeugen. Bei größeren Einstellungen (ab 50%) entsteht gar das alberne Gefühl als ob der Klang wie ein Ball von den Wänden abprallt. Werte zwischen 20-35% vermitteln hingegen insbesondere beim Spielen über Kopfhörer einen angenehmen Raumklang. Im Galaxy Steinway lässt sich der Raumklang über den integrierten Reverb Effekt recht harmonisch verstärken, aber professionelle Hall Effekte sind mit dem Reverb von Kompakt keineswegs realisierbar. Da das Galaxy Steinway mit einer speziellen Version des Kompakt Players ausgeliefert wird (nur GalaxySteinway Klänge ladbar) sind auch die übrigen Elemente von Kompakt wie Chorus und Delay Effekte sowie Envelope, Modulation und Filtereinstellungen nutzbar (Details hierzu sind in unserem Sampler Vergleichstest beschrieben). Leider lässt sich das geschützte Kontakt Archiv zwar in Kompakt und Kontakt nicht aber in HALion oder anderen Samplern importieren. Als großes Ärgernis ist die fehlerhafte DFD (Direkt from Disk alias Disk Streaming) Funktionalität von Kompakt zu nennen – selbst beim Downmix kommt es zu Aussetzern oder Klicks, wenn nicht genügend Samples vorgeladen wurden. Um das GS Klangbeispiel aufzuzeichnen musste ich ca. 390 MB Ram der 24-Bit Stereo Samples vorladen. Nach Adam Riese müsste der Rechner also ca. 1,6 GB freien Ram besitzen um den vollen Surround Sound auf einen Schlag wiederzugeben. Im The Grand VST finden sich abgesehen von Ambience zwar keine Effekte aber dafür Leckerbissen wie Wahl der Stimmung zwischen well tempered und concert grand scale, True String Release ein/aus (simuliert das Nachklingverhalten erstaunlich natürlich), True Hammer Release ein/aus (eigentlich nur für den Pianisten hörbares Geräusch, das beim zurückfallen des Hammers in seine Ausgangsposition entsteht) und vor allem True Sustain Resonance. Mit letzterem kann das Haltepedal ebenfalls im Volumen angepasst werden. So können Haltepedal-Druckwerte zwischen – nach subjektiver Einschätzung – ca. 25% bis 55% eines Flügels stufenlos simuliert werden. Selbst bei 100% Amount und aktivierten True Sustain Resonance wird also keinesfalls das volle Klangvolumen eines Flügels erreicht. Das „Startvolumen“ geht jedoch vollauf in Ordnung und vermittelt einen sehr guten Eindruck eines leicht bis halb gedrücktem Haltepedals. Dummerweise lässt sich die Druckstärke zwar über „RreAmt“ automatisieren, noch besser wäre es jedoch, wenn das Haltepedal über ein Expressionpedal gespielt werden könnte, um neben gedrückt ja/nein auch gleich die Ammount Stärke flexibel bestimmen zu können. Sehr gut gefällt mir am The Grand PlugIn auch die Möglichkeit zur flexiblen Anpassung der Velocity Kurve. Wie eingangs erwähnt, kann ich nicht auf die vollen Anschlagswerte mit meinem ePiano zurückgreifen, weshalb ich den leichtesten Anschlagswert in TheGrand auf 6 und den stärksten auf 120 eingestellt habe. Etwas ähnliches könnte lediglich mit dem Velocity Regler des exs|24 mk II und der zusätzlichen Anpassung der Velocity Levels realisiert werden. Allerdings kann in TheGrand zusätzlich der Kurvenverlauf kann von Linear bis Kreisförmig mit frei definierbarer Krümmung bestimmt werden. Fazit Wer lediglich ein MIDI-Keyboard ohne Pedale besitzt und kleinere begleitende Klavierparts einspielen möchte, sollte zur Mittelklasse greifen. Wer möglichst authentisch Klavier spielen will, findet in TheGrand den mit Abstand ausgereiftesten und gleichzeitig einzig echten Kompromiss. Freunde von Surround Sound Produktionen, die mit fehlenden Variationsmöglichkeiten im Damper Pedal und auch ohne Soft-Pedal auskommen, werden hingegen nur vom Galaxy Steinway zufrieden gestellt. Wer bereits einen Software-Sampler besitzt aber das nötige Kleingeld für TheGrand bzw. Galaxy Steinway nicht aufbringen mag, dem bietet sich das Wizoo Grand (Size XXL) als günstige aber vollwertige Alternative an. Preis / Bezug Galaxy Steinway: 299 Euro, BestService.de The Grand: 249 Euro, Steinberg Wizoo Grand (size XXL): 129 Euro, Wizoo |